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Gerechtigkeit/gerecht
(recht.philosophie)
    

Gerechtigkeit ist einer der am schwierigsten zu fassenden Begriffe der Rechtswissenschaft. Was unter Gerechtigkeit zu verstehen ist, hngt wesentlich vom Standpunkt des Betrachters ab. Trotzdem ist es in einem Gemeinwesen, wie z.B. einem Staat, notwendig, eine gemeinsame Sichtweise zu finden.

In der Rechtsphilosophie unterscheidet man zwischen objektiver Gerechtigkeit, die der Rechtsordnung eines Staates zugrunde liegt, und subjektiver Gerechtigkeit als Tugend des Einzelnen im Umgang mit seinen Mitmenschen, bzw. als die dem Einzelnen widerfahrende Gerechtigkeit.

Auf Aristoteles zurckgehend unterscheidet man weiterhin zwischen

  • ausgleichender Gerechtigkeit (justitia commutativa)
  • austeilender Gerechtigkeit (justitia distributiva)

Leibniz hat dem noch die justitia universalis hinzugefgt, die Gerechtigkeit der Nchstenliebe und des Gottesreichs.

Die ausgleichend Gerechtigkeit vermittelt zwischen Einzelnen untereinander, z.B. bei Vertrgen oder Verletzungen. Sie ist mengenmige (arithmetische) Gleichheit. In unserer Rechtsordnung ist sie im Privatrecht das bestimmende Prinzip. Dabei greift das Gesetz erst ein, wenn bestimmte Grenzen berschritten werden. Die Grenze wird z.B. durch das Verbot sittenwidriger Rechtsgeschfte in 138 BGB oder den Wegfall der Geschftsgrundlage markiert. Die Rechtsordnung akzeptiert keinen Versto gegen die ausgleichende Gerechtigkeit jenseits dieser Grenze. Diesseits der Grenze hngt die ausgleichende Gerechtigkeit, d.h. das Verhltnis zwischen Leistung und Gegenleistung, vom Vertragsgeschick des Einzelnen ab.

Die verteilende Gerechtigkeit bestimmt das Verhltnis zwischen Gemeinwesen und Einzelnem. Sie ist eine, den unterschiedlichen Verhltnissen angepasste (geometrische), Gleichheit, die bei Rechten und Pflichten jeden so behandelt wie es ihm entspricht. D.h. bei Pflichten nach Leistungsfhigkeit und bei Rechten nach Bedrftigkeit. Entsprechend ist sie das Prinzip, das im ber-Unterordnungsverhltnis, bei Normen gilt.

Fr den rmischen Juristen Ulpian bedeutete Gerechtigkeit honeste vivere, alterum non laedere, suum cuique tribuere.

Literatur: Hoffmeister, S. 260.

Auf diesen Artikel verweisen: equitable * Justitia * Rechtssicherheit * honeste vivere, alterum non laedere, suum cuique tribuere